ad-hoc Bericht von arebenti
über seinen Softwarepatent-Workshop auf dem EuroFoo (= O'Reilly) Treffen am 21. August 2004
Hallo,
ich komme gerade von der Euro Foo von der University of Twente, Enschede, Niederlande zurück. Es handelte sich dabei um ein Treffen von O'Reilly, wobei foo in diesem Fall für Friends of O'Reilly steht.
Diese Art Konferenz fand zum ersten Mal in Europa statt.
Ganz kurzfristig bin ich dort für einen Workshop angefragt worden und hinübergefahren. Eigentlich gab es nur geladene Besucher, etwa 150 bis 200. Sehr beeindruckt hat mich die Qualität der Gespräche und das Konzept der Veranstaltung. Es gab in dem Konferenzhotel auf dem Universitätscampus insgesamt 8 parallele Workshopräume, in die maximal 40 Leuten passten. Die Veranstaltungen wurden per Filzstift auf einer großen Stundenplan-Tafel eingetragen. Die Konferenzräume waren jeweils benannt z.B. Rhinozeros-Raum. Es gab keine Panels, sondern mehr Gesprächsgruppen mit frei moderiertem Vortrag. Jeder Veranstaltung dauerte exakt eine Stunde und wurde nach einer Stunde auch tatsächlich ohne Umschweife abgebrochen und die nächste Veranstaltung ging sofort los. Das halte ich für ein hervorragendes Zeitlimit.
Es gab (soweit ich gesehen habe) keine Panelveranstaltungen, sondern mehr von ein, zwei Personen geleitete Workshops. Das Publikum war sehr kundig oder wenigstens sehr interessiert, vielschichtig, professionell und kritisch.
Ausserdem gab es eine Pinwand, wo die Teilnehmer am Camp ein bild von sich und einen kurzen A6 Waschzettel mit Namen und anderen Infos (Programmiersprache, Interessengebiete u.a.) aufhängten. Interessanterweise führten zahlreiche Personen Softwarepatente als Interessengebiet auf.
Das Essen war spartanisch aber gut gehalten, es gab Kaffee, später Eis. Das Drienerburgh Hotel, so oder so ähnlich der Name, war perfekt für seinen Zweck gestaltet, ein deutscher Organisator von Euro Foo verwies darauf, dass hier die Gespräche nebenbei im Vordergrund stehen. Tatsächlich gingen alle Workshops so locker wie ein Flurgespräch. Häufig war es mehr eine Art aus dem Nähkästchen plaudern.
Welche Lehren kann ich aus der Organisation ziehen
1.) Es ist besser 8 kleine Workshops pro Zeitleiste zu machen als ein/zwei frontalpanel mit 4 Leuten. durch die aufsplittung kann man dann sehr spezielle Themen nehmen. Nicht Riesenpanels, sondern kleine Gruppen intellgenter Menschen entfalten Kräfte. Gute, professionelle Leute zusammenzubringen , das ist fruchtbar.
2.) Das dortige Konferenzhotel ist hervorragend.
3.) Die aktive Einbeziehung des Publikums, die eigentlich nur bei 30 Leuten machbar ist, kann als sehr wertvoll anzusehen sein. Sie führt aber auch dazu, dass man leicht Kontrolle verliert und bestimmte Irrwege sich auftun. Darum müsste man das Thema vorher sehr eng eingrenzen. Ich glaube das benötigen wir, z.B. ein Workshop nur über Trips 27. Ein Workshop nur über EPÜ usw. Dass man sich nicht in tausend Sachen verliert und trotzdem zur Sache kommt.
4.) Statt Rede oder Vortrag ein auf ein enges Thema bezogenes Gespräch
Es gab ausserdem eine andere Veranstaltungsform, die Lightning talks, dort wurde jedem exakt 5 Minuten für die Vorstellung von was immer man sagen wollte gegeben. Auch hier strikte Zeiteinhaltung, es wurde nie überzogen.
Zum feedback swpat workshop:
0. Ich fand es hervorragend. Mein Schwerpunkt lag natürlich darauf welche Messages wichtig sind und ziehen, Problembewusstsein wecken (Zak hatte gesagt, erzähl uns mal warum swpat gefährlich sind, so allgemein wollte ich es dann doch nicht). Es gab einige interessante Feedbacks. Ich habe viel gelernt.
1. Offensichtlich ist es notwendig mehr auf die TRIPs-Legenden einzugehen.
2. Es ist für Beiträger aus dem Businessumfeld oft nicht verständlich, was sie tun können und sollen. Man wünscht sich eine Art ansprechpartner oder eine klare Agenda. Zum Teil möchte man ungern öffentlich in Erscheinung treten. Kritik an der Website wie gewöhnlich. Wichtigkeit des neuen Portals betont. Unsere Arbeit ist nach aussen nicht so transparent.
3. Die Kräfteverhältnisse werden z.T. unberechtigt zu unserem Ungunsten eingeschätzt, der Druck von internationaler Ebene vollkommen überschätzt. Das bewirkt, dass eher ein Interesse an einem Workaround, der die negativen Effekte abmildert besteht, man sich trotz Ablehnung der Situation ergibt. Die typischen Anfängerträume sehen da so aus: reduktion auf 3 Jahre, unmöglich habe ich klar gestellt, und schaffung einer überparteilichen Initiative für Brüssel. Wir wissen, dass das ein Lernprozess ist, aber es gibt halt immer dieses Manychiefs-Problem und gewisse Blindheit gegenüber Erfahrungswerten. Da ist es wichtig mit Fachwissen dagegen zu halten ohne anzugreifen. Vor allem zu verhindern, dass Fehleinschätzungen zu kontraproduktiven Messages führen. Das geht nur durch aufklärung über die situation. vor allem muss man meiner Ansicht nach den Leuten klar machen in nicht aggressiver Form, dass es nicht hilfreich ist zu sagen, wir sind für gute swpat, weil swpat sowieso kommen werden, wenn die eigene Interessenlage eigentlich dagegen sei. Stichwort: self-fullfilling prophecy. Wir müssen vermeiden, dass Zielkonflikte durch Lobbying dieser Art entsteht. Und es muss stärker deutlich gemacht werden, dass Pat-Recht das falsche Rechtsinstrument zur Realisierung eines Konzeptschutzes, so er denn sinnvoll erachtet werden sollte, sei.
4. Interoperabilitätsprivileg wird als sehr wichtig angesehen. Auch Exklusion von ISO-Standards. Das will man in die Richtlinie bekommen. Ein Einwahlschema, bei dem man die Message noswpat in operationale Komponenten zerlegt wird als sehr positiv aufgenommen.
5. Es besteht Bedarf bzgl. übersichtlicher Informationsmaterialien, ich verwies auf die Vielfalt der Zielgruppen, die wir bedienen müssen.
6. Offensichtlich sind bestimmte Aktionsformen ungeeignet für einzelne Akteure, die lieber sich zurückhalten wollen. Portale u.a. wird vermutlich in der wichtigkeit überschätzt, die reden über a, während wir schon bei c sind. Wur haben nur niemandem erzählt, dass wir schon bei c sind.
7. Die Informationsmaterialien von Maebe vom Mai treffen in dieser Gruppe meiner Ansicht nach sehr gut die Informationslücken.
Ein Norweger im FSF E T-Shirt zeigte sich demonstrativ enttäuscht nach dem Vortrag, er hätte das konkrete Aufzeigen von Schritten erwartet, was getan werden kann, der Workshop habe ihm nichts Neues gebracht. Es gab aber andere Vorgaben des Veranstalters und ich habe den Spagat gewagt, große Teile des Workshops haben sich allein aus dem Gespräch ergeben, für mich war die Veranstaltung sehr interessant, es wird offensichtlich von einigen Leuten nicht verstanden, dass es nicht allein darauf ankommt das Richtige zu wissen, sondern es auch transportieren zu können. Der Norweger orakelte noch etwas von Geld ausgeben. Ich sagte auf seine Anfrage, dass ich zusätzliches Geld wohl in parlamentarische Abende und gute Lobbyarbeit/Repräsentanz in Brüssel, Professionalisierung u.a. investieren würden und dass wir in der Richtung eine Menge tun.
Fazit hier
Wir müssen über unsere Aktivitäten, über das, was wir unternehmen, stärker reden. Und klarer dokumentieren, was wir demnächst tun und welche Möglichkeiten es gibt. Einige Aufklärungsarbeit ist nötig in bezug auf internationale Ebene und die laufenden realen Kräfteverhältnisse.
