2004-07-06 DE ZDF-Filmstreifen: Milliardenschaden durch "Raubkopierer und Ideenklauer"
--> [ ZDF 2004-07-06 | Beschwerde ]
Sprecher:
- Tatort Wohnzimmer. Keine Musik-CD, keine Software, die nicht irgendwie zu kopieren wäre. Schutzvorrichtungen knacken - ein leichtes. Die ganz alltägliche Datenpiraterie. Viele fühlen sich sicher.
Interviewpartner:
- Also es gibt kein Verfahren, die Leute irgendwie ohne größeren Aufwand zu identifizieren. Es gibt wirklich Leute, die da hunderte und tausende von Files downloaden.
Sprecher:
- CD- und DVD-Rohlinge gibt's stapelweise beim Elektroladen um die Ecke. Ein grauer Markt, den viele für den Normalfall halten.
Junge Frau:
- Eigentlich eher ein Kavaliersdelikt, denke ich. Das machen so viele Leute mittlerweile ...
Junger Mann:
- Ich kenne auch jemanden, der zuhause, was weiß ich, glaub' ich alle Filme, die es gibt auf dem Rechner hat. Also ein Server quasi zuhause, und der verkauft die locker weiter ...
Älterer Mann im Anzug öffnet eine Kiste. (gestellte Szene)
Sprecher:
- Kistenweise illegal gebrannte Software. Von Polizei und Staatsanwalt beschlagnahmtes Material. Die Musik- und Software-Industrie kämpft mit Anzeigen und Strafverfahren gegen kriminelle Großfälscher.
Untertitel:
- Georg Herrenleben, Agentur für Softwareindustrie
Anm: "Agentur für Softwareindustrie" existiert vermutlich nicht, Herrnleben ist laut BSA-Webseite Regionalmanager der Business Software Alliance für Mitteleuropa.
Herrenleben:
- Wir haben es aber leider auch mit einer ganz anderen Art von Piraterie zu tun, nämlich die Piraterie, die Sie und ich Tag für Tag privat erleben - am Arbeitsplatz, am Schulhof, zuhause -, das ist das Brennen von CDs, und dadurch werden der Industrie jährlich Milliardenschäden zugefügt.
Sprecher:
- In ihrer Not bietet die Musikindustrie preiswerte Alternativen, wie hier bei Apple: Der Song für 99 Cent, den man legal bis zu siebenmal für seine Freunde kopieren kann. Oder Audiocheck. Mit Hilfe einer Software für 40 Euro kann man demnächst beliebig viele Titel via Internet-Radio auf CD brennen - legal.
Herrenleben:
- Wir müssen hier mehr Aufklärung leisten, daß das Urheberrecht im Prinzip auch die Zukunft für viele Leute in Deutschland bedeutet, daß unsere Wirtschaft im Prinzip auf geistigem Eigentum basiert, und daß wir an dem Ast sägen, an dem wir selbst sitzen, wenn wir das Urheberrecht nicht schützen.
Bilder einer Auto-Bremse
Sprecher:
- Geistiges Eigentum steckt auch in allen technologischen Entwicklungen. Beispiel: ABS-Systeme in Fahrzeugen. Alles rechnergesteuert und bisher europaweit kaum zu schützen.
Brigitte Zypries, Bundesministerin der Justiz:
- Es geht um die Frage, wie Software, die mit Technik verbunden ist, geschützt wird. Das ist das Thema, das wir auf europäischer Ebene zur Zeit verhandeln. Und wir meinen, daß ein gewisser Schutz notwendig ist.
Sprecher:
- Im deutschen Patentamt kann man so ziemlich alles schützen lassen, nur bei Software-Entwicklungen gibt es Probleme.
Heinrich von Pierer, Vorstandsvorsitzender der Siemens-AG:
- Für uns ist es von ganz entscheidender Bedeutung, daß das, was diese Software-Ingenieure erarbeiten und was natürlich eine gewisse Erfindungshöhe haben muß, daß das auch patentierfähig ist und geschützt wird gegen andere, die eben nur nachahmen.
Verschiedene Webseiten des FFII sind zu sehen.
Sprecher:
- Doch es gibt eine starke Gegenbewegung. Sie fordert eine frei zugängliche Software für alle. Jeder soll Computerprogramme unbegrenzt weiterentwickeln können. Der Kanzler hält dagegen.
Gerhard Schröder, Bundeskanzler:
- Ohne den nachhaltigen Schutz des geistigen Eigentums wären die Unternehmen zum einen gezwungen, ihre Erfindungen möglichst lange geheimzuhalten wenn sie erfolgreich sein wollten, zum anderen müßten sie aus ökonomischen Gründen ihre Forschungs- und Entwicklungstätigkeit auf wenige Gebiete konzentrieren.
Sprecher:
- Für viele ist die Freiheit im Computer wohl grenzenlos, doch die hat ihren Preis: Der Schaden durch Raubkopien und geklaute Ideen geht bereits in die Milliarden.
